Konferenz: Die Familie Hochbrucker und die Anfänge der Pedalharfe

9./10. Oktober 2026
Enderlesaal
Kapellstraße 3
86609 Donauwörth

Die Erforschung der frühen Pedalharfe hat in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Neuerkenntnisse ans Licht gebracht. Inzwischen gilt Jacob Hochbrucker als Erfinder des ersten Mechanismus mit Pedalen an der Harfe als akzeptiert. Großen Anteil an der Verbreitung hatten die Söhne Hochbruckers, Simon, Johann Christoph und Johann Baptist. In der Familie von Jacobs Bruder Elias gab es ebenfalls Söhne, die Harfe spielten, besonders Franz Christian, der nach Eintritt ins Kloster Weihenstephan den Namen Coelestin erhielt.

Über Johann Baptist Hochbrucker, dessen Karriere 1753 im polnisch-litauischen Großreich begann und 1760 nach Paris führte, kennt man inzwischen zahlreiche Details, weniger bekannt war allerdings, dass wohl auch Johann Christoph um 1740 einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben muss, bevor er über Danzig nach Riga und St. Petersburg gelangte. Eher unfreiwillig war ab 1726 Simon in die Laufbahn als Harfenist geraten, nachdem er sich ein Wirken als katholischer Priester selbst verbaut hatte; seine Stationen waren Freising und München, dann Wien, Mühlberg, Leipzig, Amsterdam, London, Hamburg und Braunschweig. Darüber hinaus wirkte offenbar ein Sohn Simons ab etwa 1775 in Paris. Dagegen blieb Coelestin über Jahrzehnte im Kloster Weihenstephan und verbrachte die späten Lebensjahre in Österreich. Mit der Geschichte der Pedalharfe scheint er wenig zu tun gehabt zu haben.

Es gehörte bisher zum Schicksal der Hochbrucker-Familie, dass ihre oft ohne Vornamen genannten Mitglieder schon früh von den Forschern verwechselt wurden, wodurch nach und nach einige Verwirrung und Widersprüche in die Darstellung der Harfenentwicklung im 18. Jahrhundert hineingelangten. Von den vier Pedalharfen, die heute Jacob Hochbrucker zugeschrieben werden (Wien, Paris, Zürich, Phoenix/A.) gilt das Instrument im Kunsthistorischen Museum Wien (SAM 565) aufgrund eines eingeklebten Zettels („Hochbrucker, Donauwörth 1720“) als Kronzeuge. An der Glaubwürdigkeit des Zettels kamen allerdings in jüngster Zeit Zweifel auf, deren Konsequenzen sich auf die gesamte Entwicklungsgeschichte der frühen Pedalharfe auswirken könnten. Besonders eigenartig muten die Darstellungen einer Hochbrucker-Harfe auf Gemälden von Angelica Kauffman (um 1770 und 1778) an, aus einer Zeit also, in der längst modernere Instrumente auf dem Markt waren.

Während die Hochbrucker-Familie in zahlreichen Studien diskutiert wurde, blieb die von Johann Paul Vetter 1730 bekannt gemachte Erfindung einer Pedalharfe komplett unerforscht. Ebenfalls bis heute unklar sind die Anfänge der so genannten Crochet-Mechanik. Einige sehr frühe Crochet-Harfen sind mutmaßlich deutschen Ursprungs. Ungeklärt geblieben ist bisher auch der Ursprung der immer wieder zu lesenden Angabe, frühe Pedalharfen hätten zunächst fünf und erst später sieben Pedale besessen.

Die Tagung wird organisiert von Prof. Dr. Franz Körndle (Universität Augsburg) in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein für Donauwörth und Umgebung und der Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte, gefördert durch den Bezirk Schwaben, die Dr. Eugen Liedl Stiftung und das Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde.